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Rezension

Amélie Nothomb: Happy End

Amélie Nothomb: Happy End
Wunderschönes modernes Märchen, das gesellschaftliche Vorurteile gehörig auf den Kopf stellt.

 

Der kluge Sonderling Déodat liebt das einsame Studium der Vögel, die Beobachtung ihres Flugs am Himmel über Paris. Auch Trémière wächst isoliert auf, im verwunschenen Haus ihrer exzentrischen Großmutter. Und wie Déodat lernt sie früh, die Dinge genau zu betrachten und in ihrem Wesen zu erfassen. Eines Tages trifft der altkluge Junge auf das bildhübsche Mädchen, und eine wundersame Geschichte nimmt ihren Lauf. (zur Verlagsseite)

Amelie Nothomb, Happy End CoverWer meinen Blog bereits länger verfolgt, weiß, dass ich ein ganz großes Amélie Nothomb Fangirl bin. Zu ihrem Roman „Die Metaphysik der Röhren“ kam ich beinahe zufällig, nachdem ich einiges Gutes gehört hatte, mir aber nicht sicher war, mit welchem ihrer zahlreichen Bücher ich beginnen sollte. Dieses Buch öffnete mir die Augen. Ich verliebte mich auf einen Schlag und sammelte nach und nach alle ihre auf Deutsch erschienenen Werke an und achtete darauf, nicht alle auf einmal zu lesen. Seit letztem Jahr verfolge ich aber ihre Neuerscheinungen und so zog rechtzeitig zum Erscheinen auch ihr neuestes Werk „Happy End“ bei mir ein. Wie bei allen ihren Büchern kann ich mich da nicht zurückhalten und häppchenweise genießen, nein, ich schlinge das gesamte Buch direkt in mich hinein. Und diesmal war es mit seinen knapp 190 Seiten sogar noch ein wenig dicker als ihre vorangehenden Werke! Und ich kann euch sagen: Es war mir ein Genuss!

Außergewöhnliche Schönheit lässt niemanden kalt – sie ruft offenen Zorn hervor. Hässliche Menschen werden manchmal bemitleidet – sehr schöne meist erbarmungslos gehasst.

Es geht um Déodat und Trémière, die nicht unterschiedlicher sein könnten: Während Déodat bereits bei Geburt ein unglaublich hässliches Kind war, bezaubert Trémière alle mit ihrer Schönheit; Déodat ist ein intelligenter Einzelgänger, Trémière fehlt es an Geist und sie kann sich an den simpelsten Dingen erfreuen. Déodat , der bereits in der Wiege seinen ersten vollen Satz spricht (»Dieses Kleid steht dir gut, Mama«), erfasst aufgrund seiner Intelligenz schon früh das Problem seiner Hässlichkeit; Mitschüler meiden ihn, das ist ihm aber relativ gleichgültig, da er sich sowieso lieber mit Vögeln befasst. Trémière kommt überraschenderweise auch nicht mit ihren Mitschülern klar; aufgrund ihrer Schönheit wird sie von allen beneidet. Trémière lebt wie Déodat isoliert, sie bei ihrer Großmutter, die sie bei sich behält, damit niemand merkt, wie dumm sie ist, und er, weil er sich selbst dafür entschieden hat. Bis die Beiden aufeinander treffen, vergeht einige Zeit, doch umso schöner ist das Zusammentreffen von Schön und Hässlich schließlich.

Amélie Nothomb erzählt mit „Happy End“ das Märchen des „Riquet mit der Locke“ auf ihre Art und Weise neu. Wer das Märchen, auf dem dieser Roman basiert, nicht kennt, findet es im Anhang und kann dort direkt Verbindungen, aber auch Unterschiede erkennen. Nothomb nimmt hier gesellschaftliche Vorurteile und Normen, die sie auf den Kopf stellt und lässt die beiden Leben gezielt aufeinander zulaufen. Die Geschichte wird abwechselnd aus Trémières und Déodats Sicht geschildert, im gewohnten und geliebten Stil der Autorin.

Es [gibt] ein fast absolutes Gesetz, dem die Meisterweke der Liebesliteratur in 99,99 Prozent der Fälle unterworfen sind: Sie müssen ein böses Ende nehmen, sonst gelten sie als Groschenroman. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass große Schriftsteller den tragischen Ausgang als Akt der Buße gleich mit einbauen, auf dass ihnen das Klischee vergeben werde.

Fazit: Auch dieses Mal konnte mich Amélie Nothomb komplett überzeugen. Wenn ich einen ihrer Romane aufschlage, fühle ich mich dank des wunderbaren Erzählstils direkt heimisch. Aufgrund von Länge und Stil lassen sich ihre Romane auch gut in einem Rutsch auslesen; auch die Lektüre von „Happy End“ war dermaßen kurzweilig, dass ich schon jetzt mit den Hufen scharrend auf das nächste Buch warte. Und obwohl ich „Riquet mit der Locke“ nicht kannte, habe ich sehr Gefallen gefunden an der Erzählung von Déodat und Trémière und wie die Beiden sich nach einer langen, von Entbehrungen und Fehlschlägen markierten Zeit endlich gefunden haben. Sozusagen spoilert sich das Buch durch den Titel ein wenig selbst, der französische Originaltitel „Riquet à la houppe“ gibt allerdings 1:1 den Märchentitel wieder und da wäre für den, der das Märchen nicht kennt, die Handlung und deren Ausgang womöglich eine kleine Überraschung gewesen.

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Dieses Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise vom Diogenes Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Amélie Nothomb, Happy End. Diogenes Verlag
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 186 Seiten
ISBN: 9783257070422 
Erschienen: 26.09.18

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Diogenes VerlagNothombRezensionsexemplarRoman

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Kurz & knapp rezensiert im November
Noch ein Bienenroman? Ja, bitte!

One comment

  1. Zeilentänzerin sagt:
    21. November 2018 um 20:11 Uhr

    Schön, dass dich das Buch so begeistern konnte. Ich habe bisher nichts von Nothomb gelesen, möchte das aber schnell ändern =)

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Moshi moshi!

Moshi moshi!

Hi, ich bin Tina, eure Lese-Patrouille! Mit meinem Blog möchte ich euch tolle Bücher, Games und vieles mehr vorstellen. Über meine Aktion „Lesen außerhalb der Komfortzone“ schlage ich mich querbeet durch die Bücherwelt und bringe das ein oder andere literarische Leckerli mit. Mein Steckenpferd ist jedoch die (ost)asiatische Literatur.

Natürlich sichte ich für euch aber auch die frischesten Novitäten im Bereich der Gegenwartsliteratur und stelle euch sowohl Video- als auch analoge Spiele oder auch Spannendes rund um das Thema Lifestyle vor.



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